Warum Kollagen einnehmen? Hydrolysiertes Kollagen, Haut und Gelenke im Licht der Forschung

Warum Kollagen einnehmen? Hydrolysiertes Kollagen, Haut und Gelenke im Licht der Forschung

Kollagen ist das häufigste Strukturprotein im menschlichen Körper. Es bildet einen wesentlichen Teil von Haut, Sehnen, Bändern, Knorpel und Knochen. Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Produktion ab und die Qualität des Kollagennetzwerks verändert sich – deshalb wächst das Interesse an hydrolysiertem Kollagen (Kollagenpeptiden) als Nahrungsergänzung. Dieser Artikel fasst zusammen, was die aktuelle Wissenschaft dazu sagt, wie die europäische Regulierung gesundheitsbezogener Angaben es bewertet und wie Sie realistische Erwartungen ohne übertriebene „Heilversprechen“ setzen.

Wichtiger Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und nicht zur Diagnose, Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten bestimmt. Dieser Text dient der Information und ersetzt nicht den individuellen Rat von Ärztin oder Arzt, Apotheke oder Ernährungsfachkraft. In der EU gilt die Verordnung über gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln – nicht jede Werbeaussage über Kollagen ist zugelassen.

Was ist hydrolysiertes Kollagen und wozu wird es verwendet?

Natives Kollagen ist ein großes Protein mit Tripelhelix-Struktur. Bei der Hydrolyse wird es in kürzere Peptide mit geringerem Molekulargewicht gespalten. Diese werden nach oraler Aufnahme leichter über den Verdauungstrakt aufgenommen; im Plasma erscheinen zum Beispiel Hydroxyprolin-haltige Dipeptide (Hyp), die in Humanstudien nach dem Verzehr von Kollagenhydrolysat nachgewiesen wurden.

Am häufigsten werden Typ-I-Peptide (Haut, Sehnen, Knochen) aus Rind, Schwein oder Fisch verwendet. Die Dosierungen in klinischen Studien liegen typischerweise bei etwa 2,5–15 g täglich, übliche Handelsdosen bei rund 5–10 g. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:

  • Kollagenpeptiden als Quelle von Aminosäuren und bioaktiven Peptiden,
  • Vitamin C, für das in der EU eine zugelassene Angabe zum Beitrag zu einer normalen Kollagenbildung besteht,
  • Lebensstil (Eiweiß in der Ernährung, UV-Schutz, Bewegung, Schlaf, Nichtrauchen), der Haut und Bewegungsapparat stärker beeinflusst als jedes einzelne Nahrungsergänzungsmittel.

Haut: Metaanalysen und ein kritischer Blick

Pu et al. (2023) – Nutrients

Die systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Pu und Kollegen in Nutrients (2023) wertete randomisierte kontrollierte Studien (RCT) zu oralem Kollagen im Hinblick auf Parameter der Hautalterung aus. Die Autoren berichteten, dass hydrolysiertes Kollagen im Vergleich zu Placebo die Hautfeuchtigkeit und Elastizität statistisch signifikant verbesserte; eine längere Einnahme zeigte in der Subgruppenanalyse günstigere Effekte. Gleichzeitig wiesen sie auf ein Verzerrungsrisiko in den eingeschlossenen Studien und den Bedarf an größeren, methodisch stärkeren RCT hin.

Diese Art von Evidenz stützt die Hypothese, dass Kollagenpeptide bei manchen Erwachsenen messtechnisch erfasste kosmetische Hautparameter leicht beeinflussen können. Sie ist jedoch weder ein Beleg für „Verjüngung“ im klinischen Sinne noch für die Behandlung von Hauterkrankungen.

Myung und Park (2025) – The American Journal of Medicine

Eine neuere Metaanalyse von Myung und Park in The American Journal of Medicine (2025) lieferte eine wichtige skeptische Sicht. Fasste man alle eingeschlossenen RCT zusammen, schien Kollagen Feuchtigkeit, Elastizität und Falten zu verbessern. Nach Aufteilung nach Finanzierungsquelle und Studienqualität verschwand der Effekt in nicht industriefinanzierten bzw. hochwertigen Studien jedoch oder schwächte sich deutlich ab. Die Autoren folgerten, dass es derzeit keine soliden klinischen Belege für den Einsatz von Kollagenpräparaten zur Vorbeugung oder Behandlung der Hautalterung gibt.

Für Leserinnen und Leser ergibt sich daraus ein ausgewogenes Fazit: Ältere positive Metaanalysen (einschließlich Pu 2023) und die kritische Analyse von Myung/Park 2025 stehen nebeneinander. Die Unterschiede können mit der Studienauswahl, der Heterogenität der Produkte, der Interventionsdauer und Interessenkonflikten zusammenhängen. Die Erwartungen sollten maßvoll sein; Kollagen ist kein Wundermittel gegen das Altern.

Gelenke, Muskeln und Bewegungsapparat

Eine systematische Übersichtsarbeit zu Typ-I-Kollagenhydrolysat in Bezug auf Knochen, Muskeln und Gelenke (PubMed 39980497) umfasste Dutzende RCT. Die Autoren stellten vielversprechende Ergebnisse vor allem beim Gelenkkomfort und der Beweglichkeit fest, während die Daten zu Knochen nicht überzeugend und die zu Muskeln oft vom gleichzeitigen Training abhängig waren. Die Heterogenität der Protokolle (Dosis, Population, Endpunkte) schränkt eine Verallgemeinerung ein.

Erwähnenswert ist außerdem die Arbeit von Martínez-Puig et al. (2023, Nutrients), die die Zusammensetzung von Kollagenprodukten mit der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur zu Gelenken verknüpfte und betonte, dass Qualität und Standardisierung von Nahrungsergänzungsmitteln nicht einheitlich sind.

Praktisch heißt das: Wer Kollagen wegen eines subjektiven Gefühls in den Gelenken bei normaler Belastung einnimmt, nutzt es als Ergänzung im Rahmen einer umfassenden Selbstfürsorge (angemessene Bewegung, Körpergewicht, Krafttraining, ausreichend Eiweiß). Bei anhaltenden Schmerzen, Schwellungen oder Bewegungseinschränkungen ist eine ärztliche Abklärung angebracht – keine Selbstbehandlung mit Nahrungsergänzungsmitteln.

Was sagt die EFSA zu gesundheitsbezogenen Angaben in der EU?

Kollagenhydrolysat – Angabe zu Gelenken nicht zugelassen

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam in ihrer Stellungnahme zur gesundheitsbezogenen Angabe über Kollagenhydrolysat und die Erhaltung der Gelenke zu dem Schluss, dass kein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nachgewiesen wurde zwischen dem Verzehr von Kollagenhydrolysat und der behaupteten Wirkung. Die Angabe wurde daraufhin abgelehnt (unter anderem im Rahmen der Verordnung (EU) Nr. 379/2012 der Kommission). In der EU dürfen Kollagenpeptide daher nicht als zugelassenes Mittel zur „Erhaltung gesunder Gelenke“ im Sinne einer genehmigten gesundheitsbezogenen Angabe beworben werden.

Vitamin C – zugelassene Angabe zur Kollagenbildung

Für Vitamin C sind in der EU dagegen Angaben zugelassen wie: „Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut / des Knorpels / der Knochen bei…“ (unter den für die Vitamin-C-Quelle geltenden Bedingungen). Dabei geht es um die physiologische Rolle von Vitamin C als Kofaktor der Hydroxylierung bei der Kollagenbiosynthese – nicht um die Aussage, dass Kollagenpeptide selbst im Sinne einer zugelassenen Angabe „Kollagen bilden“.

Deshalb ist es sinnvoll, wenn Kollagenprodukte zusätzlich Vitamin C enthalten: So lässt sich die zugelassene Angabe zu Vitamin C kommunizieren, während Kollagen selbst als Quelle von Peptiden und Aminosäuren präsentiert wird – ohne nicht zugelassene Heilversprechen.

Hydrolysiertes Kollagen sinnvoll einnehmen

  • Regelmäßigkeit: In Studien wurden Effekte auf die Haut meist nach 8–12 Wochen oder länger bewertet; kurzfristige „Vorher-nachher“-Fotos ohne Kontrolle sind irreführend.
  • Dosis: Halten Sie sich an die Empfehlung des Herstellers; üblich sind Gramm Peptide pro Tag, keine „homöopathischen“ Milligramm-Mengen.
  • Kombination mit Vitamin C: ermöglicht die zugelassene Angabe und den physiologischen Bezug zur Kollagenbildung.
  • Gesamte Eiweißzufuhr: Kollagen ist kein vollständiges Protein (wenig Tryptophan); die Basis bleibt eine abwechslungsreiche Ernährung.
  • Gegenanzeigen und Allergien: Bei Allergien gegen die Quelle (Fisch, Rind …) wählen Sie einen passenden Typ; bei Nierenerkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei Medikamenteneinnahme sprechen Sie mit einer Fachperson.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist hydrolysiertes Kollagen ein Mittel gegen Arthrose oder Falten?

Nein. Es handelt sich um ein Nahrungsergänzungsmittel. Es gibt keine zugelassene EU-Angabe, dass Kollagen Arthrose behandelt oder Falten beseitigt. Einige Studien deuten auf leichte Verbesserungen ausgewählter Parameter hin, andere (Myung/Park 2025) sind skeptisch – vor allem bei hochwertiger Evidenz.

Warum wird Vitamin C zugesetzt?

Für Vitamin C gibt es in der EU eine zugelassene Angabe zum Beitrag zu einer normalen Kollagenbildung. Zudem ist es Kofaktor enzymatischer Schritte bei der Kollagensynthese im Körper.

Wann kann ich mit „Ergebnissen“ rechnen?

Wenn überhaupt, werden Veränderungen in kosmetischen Studien typischerweise nach mehreren Wochen bis Monaten gemessen. Ein subjektives Empfinden kann früher eintreten oder ganz ausbleiben; die individuelle Reaktion ist unterschiedlich.

Ist Fisch-, Rinder- oder Schweinekollagen besser?

Die Studienlage zeigt keinen eindeutigen „Sieger“ für alle. Entscheidend sind Verträglichkeit, Allergien, persönliche Vorlieben und die Qualität des Hydrolysats (Standardisierung, Reinheit).

Kann ich Kollagen mit Bewegung kombinieren?

Ja – und bei Zielen rund um Muskeln und Gelenke ist Bewegung oft wichtiger als das Nahrungsergänzungsmittel selbst. Einige Studien beobachteten günstigere Ergebnisse für die Muskulatur gerade in Kombination mit Krafttraining.

Fazit

Hydrolysiertes Kollagen ist ein beliebtes Nahrungsergänzungsmittel mit wachsender, aber nach wie vor uneinheitlicher Studienlage. Die Metaanalyse Pu 2023 stützt eine mögliche Verbesserung von Hautfeuchtigkeit und Elastizität; Myung und Park 2025 stellen diese Ergebnisse bei strengerer Betrachtung von Studienqualität und Finanzierung deutlich infrage. Für Gelenke gibt es vielversprechende RCT, die EFSA hat eine gesundheitsbezogene Angabe zur Erhaltung der Gelenke für Kollagenhydrolysat jedoch nicht zugelassen. Die zugelassene Säule der Kommunikation in der EU bleibt Vitamin C und die Kollagenbildung. Ein vernünftiger Ansatz: realistische Erwartungen, ein hochwertiges Produkt, langfristige Regelmäßigkeit und ein insgesamt gesunder Lebensstil.

Quellen

  1. Pu SY, et al. Effects of Oral Collagen for Skin Anti-Aging: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. 2023;15(9):2080. https://doi.org/10.3390/nu15092080 | PMC10180699
  2. Myung SK, Park Y. Effects of Collagen Supplements on Skin Aging: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Am J Med. 2025;138(9):1264-1277. Am J Med abstract | PubMed 40324552
  3. Brueckheimer PJ, et al. The Effects of Type I Collagen Hydrolysate Supplementation on Bones, Muscles, and Joints: A Systematic Review. Orthopedic Reviews. 2025. PubMed 39980497
  4. Martínez-Puig D, et al. Collagen Supplementation for Joint Health: The Link between Composition and Scientific Knowledge. Nutrients. 2023;15(6):1332. https://doi.org/10.3390/nu15061332
  5. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies. Scientific Opinion on collagen hydrolysate and maintenance of joints. EFSA Journal 2011. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2011.2291
  6. Commission Regulation (EU) No 379/2012 refusing to authorise certain health claims (einschließlich Kollagenhydrolysat). EUR-Lex 32012R0379
  7. EU Register of health claims – vitamin C and collagen formation (zugelassene Angaben). EC Health Claims Register

Kollagen im Körper: Haut, Knorpel und Gelenke